Das unsoziale Ticket

Das Nrw-Sozialticket soll abgeschafft werden. Das hat die schwarz-gelbe Landesregierung beschlossen. 96% der Anspruchsberechtigten profitieren von diesem Ticket und die Möglichkeit sich im mit dem öffentlichen Nahverkehr bewegen zu können ist gold wert. Es bedeutet nämlich am alltäglichen Leben teilnehmen zu können, ein kleines bisschen Selbstständigkeit und ganz nebenbei ist es auch überlebenswichtig.

Ob es nun um tägliche Einkäufe geht, die gerade bei HarzIV Empfängern immer auch bedeuten das nicht mal eben zum Laden um die Ecke gegangen werden kann: Durch die knapp bemessenen Regelsätze muss nach günstigen Angeboten gesucht werden, die sich dann meistens überall über die Stadt verteilt finden, da sonst irgendwann ab der Hälfte des Monats die Luft raus ist (aus dem Konto) und der Magen knurrt.

Um wichtige Arztbesuche, wobei vor allem für Fachärzte oft längere Strecken zurück gelegt werden müssen oder ob es darum geht das man Freunde und Bekannte aufsuchen kann (hey, wer hätte es gedacht auch arme Leute haben soziale Kontakte)

Oder ob es vielleicht darum geht nach einem langen und anstrengenden Tag mit Behördengängen und Jobsuche bei der Chorgruppe mitzumachen. Das alles sind Dinge die ohne Sozialticket für Menschen in präkeren Verhältnissen kaum möglich sind.

Und das ist noch nicht einmal der Anfang: Eltern, die ihre Familie versorgen müssen und dafür täglich viel unterwegs sind. Senioren, die ihre Enkel besuchen wollen. Mal eben so gestrichen. Was ist mit all den Leuten die aufgrund psychischer Probleme HarzIV beziehen? Die können ihre Therapien nicht mehr wahrnehme und wie viele Leute werden allein dadurch krank, dass sie kaum noch aus dem Haus kommen?

Die regulären Monatstickets oder gar Einzeltickets sind im Vergleich deutlich teurer. Da überlegt sich jemand mit sehr knapper Kasse eben dreimal ob er sich das überhaupt noch leisten kann.

Und warum ist das möglich?

Weil die Menschen die in der Situation sind, dass sie ein Sozialticket benötigen kaum eine Stimme in der Politik haben und mit dieser Entscheidung sogar noch weniger. Denn bei der Frage ob ein Mensch in finanziellen Nöten sein Geld lieber für Lebensmittel ausgibt, als für den Gang zur Ortsgruppe einer Partei fällt die Antwort wohl ziemlich klar aus.

Da steckt eine ganze Menge Kalkül dahinter, denn die daraus resultierende Frustration schlägt wohl am Ende eher jemanden entgegen, der gar nichts dafür kann, als den Verursachern dieser Misere.

Es sind nicht die großen politischen Entscheidungen die nachhaltig ein Klima der sozialen Kälte zurücklassen. Oft sind es welche die ganz leicht durch das Raster fallen, weil diejenigen die betroffen sind kaum Fürsprecher haben. Es mag sich lohnen auf ein Ticket zu sparen. Das Ticket das den Gang zur Wahlurne ermöglicht, um diese Politik abzustrafen und eine sozialere zu wählen.

P.

 

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Don’t ignore your feelings, please! because i feel them, too

Lemon Grrl hat vor einer Weile einen Beitrag über HSP verfasst auf den ich in Teilen weiter eingehen möchte. Insbesondere das Thema der intensiven Gefühlswahrnehmung. Bei mir spielen auch  ADHS und Asperger eine Rolle und wie diese explosive Mischung mein Leben zum Teil in einen Hexenkessel verwandelt, bei dem ich mir oft genug wünsche, das alle Mal ihre emotionale Klappe halten…

und die Sache mit den Gefühlen in den Griff bekommen.

An all die Normalos: wenn ich euch eines regelmäßig sagen möchte, dann das ihr mit euren Gefühlen oft richtig scheiße umgeht. Ihr tragt sie mit euch rum, grabt sie tief in euch ein und lasst sie höchstens Mal raus, wenn es gesellschaftlich akzeptiert ist, also bei Till Schweiger Filmen, Fußballspielen oder am Grab eurer Eltern. Ansonsten wartet ihr eben so lange bis es nicht mehr geht und wundert euch über die Frustration und den Zorn, der daraus entsteht und den ihr dann ungefragt in jedes eurer Worte fließen lasst, ohne es zu merken, aber irgendwer merkts eben doch…

Dieser emotionale Ballast ist nicht nur für euch schlecht, denn ich stehe am anderen Ende und kann Gefühle nicht gut verarbeiten. Man spricht in dem Fall von einer Reizstörung/Überflutung oder auch von einer Unfähigkeit sich Abgrenzen zu können. Etwas das bei Menschen mit verschiedenen psychischen Störungen verbreitet ist. Im Gegenzug dazu sind meine emotionalen Fühler aber verdammt gut ausgebildet und das ergibt zusammen mit von überall hereinprasselnden Stimmungen eine stressende und gesundheitsschädliche Dauerbelastung, der ich mich jeden Tag aussetzen muss, wenn ich das Haus verlasse (oder auch wenn ich im Internet surfe)

Vielleicht bringt dieser Text den ein oder anderen zum nachdenken oder dazu sich für das Thema zu interessieren. Damit wäre bereits eine Menge getan und vielleicht hilft es jemanden, der in einer ähnlichen Situation steckt.

1.) Überschwemmt

Also ich bin ein emotionaler Schwamm, schon immer gewesen. Als Kind konnte ich die Stimmungen meiner Eltern sehr gut wahrnehmen, für die es schwierig war, ihre Ängste und Sorgen jemals auszudrücken oder ihre Gefühle zu äußern. Kinder sind generell sehr stimmungsanfällig und nehmen auf, was in ihrer Umgebung passiert. Dabei ist es gerade für sie leichter, wenn Gefühle erklärt werden, anstatt das Eltern sie einfach mit sich selbst ausmachen.

Ich habe an diesem nicht äußern von Gefühlen sehr gelitten und alle Anwandlungen meiner Umgebung direkt gespiegelt, egal ob es Traurigkeit oder Wut war. Es hat mich einfach überflutet und so habe ich mein Zimmer verwüstet, wenn meine Mutter mal wieder wütend war, oder wusste nicht warum ich den ganzen Tag nicht fröhlich sein konnte, wenn meine Eltern irgendetwas bestürzte. Geredet haben sie nicht darüber.

Wie gesagt, das ist für Kinder durchaus nicht ungewöhnlich, aber gerade bei einer psychischen Erkrankung kann es  noch sehr viel extremer sein. Auch Schuldgefühle gehören bei einer solchen ständigen Belastung, bei der nie über das geredet wird, was belastet irgendwann zum alltäglichen Leben dazu. Ich machte mir als Kind ständig Vorwürfe, warum meine Eltern nicht glücklich waren und was ich tun könnte, um sie glücklich zu machen. Egal was ich auch versuchte, ich konnte es natürlich nie.

Irgendwann haben sich diese Selbstvorwürfe in Zorn verwandelt. Ich weiß woher sie rühren, aber oft habe ich mir damals gewünscht, meine Eltern würden sich trennen. Das aushalten war schwieriger. Eine ungesunde Beziehung ist schädlicher als einen Cut zu machen.

Gefühle früh zu besprechen ist unendlich wichtig, denn sie werden mit der Zeit nicht kleiner, sondern eher größer und belastender und viele Menschen entwickeln Eigenarten um zu kaschieren, das sie in Wirklichkeit etwas zu verarbeiten haben. (Putzzwang, ständige Kneipenbesuche, arbeiten bis zur Besinnungslosigkeit….)

 

2.) Das Privileg des Vergessens

Ich vergesse emotionale Dinge nicht. Nie. Ich vergesse Autoschlüssel, meine Geheimzahl, alle Passwörter (ständig) alles was mit Zahlen zu tun hat, aber Ereignisse die mit Verletzlichkeit und Emotionen zu tun haben niemals. Nicht nur, das ich sie nicht vergesse, ich erlebe sie immer und immer wieder und fast alles kann mich triggern. (Der Name am Klingelschild, eine Melodie, ein gesprochener Satz oder ein vertrauter Bewegungsablauf…)

führen zu einem emotionalen Wiedererleben:

  • Der Typ der mir in die Seite tritt, bis ich nicht mehr atmen kann
  • Die Freundin die mich verlässt
  • Die Leute die mich verfolgen und verprügeln
  • Die Lehrer die mich Versager schimpfen
  • etc, etc

Es ist wie ungewolltes Method Acting und zwar ständig.

Ich fühle wie ich immer und immer wieder verlassen werde und die gleichen Emotionen wie damals überkommen mich, beinahe ungedämpft. Damals konnte ich mich nicht schützen (noch wusste ich woran das lag) und jetzt kann ich es auch nur mit einem sehr großen Kraftaufwand. Im Kopfkino läuft immer eine Vorstellung.

Zwischen Damals und heute steht ein steiniger Weg jahrelanger Therapie in jeder erdenklichen Form. Nichts konnte diese emotinale Wucht merklich abschwächen bis heraus kam, das es eben keine Depression ist die hinter allem steht, sondern eine Mischung aus ADHS und Asperger, die jeglichen Umgang mit Emotionen so schwierig macht.

Zwischendurch

Ich habe viele Jahre damit verbracht, die unausgesprochenen Gefühle meiner Eltern, sowie die Gewalterfahrungen wieder aufzuarbeiten. Das tue ich bis heute.

Ich bin in therapeutischer Behandlung seit ich 15 bin. Behandlungen mit Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie, Homeopathie (in die mich die Eltern geschliffen haben) mit Antidepressiva und ohne, mit Kabeln am Kopf und ohne, habe ich bereits erhalten, und die verschiedensten Diagnosen, mit denen ich mir mein Zimmer tapezieren kann.

Diverse Klinikaufenthalte haben meine Ängste gegenüber Menschen nocht verstärkt.

Viele davon völlig falsch und von Ärzten ausgestellt, die weit davon entfernt sind, an der Genesung ihrer Patienten interessiert zu sein.

Sehr oft habe ich erlebt das wenn eine Therapie nicht anschlug, grundsätzlich davon ausgegangen wurde, das der Patient Schuld daran sei. Er würde sich eben nicht genug bemühen und so könnte keine erfolgreiche Behandlung funktionieren. Ein Arschtritt für jeden, der Tag für Tag kämpft, um im Alltag klar zu kommen.

Als dann letztendlich heraus kam, das es bei mir nicht mit Verweigerung zu tun hat, sondern darum das mein Gehirn nicht normal funktioniert und daher auch eine solche Erwartungshaltung völlig fehl am Platz wäre, war bei mir die Erleichterung groß, denn wie viel Schuld habe ich mir über all die Jahre gegeben.. wie oft war ich daran fast gänzlich verzweifelt. Den Stress und die Angst in den Behandlung vergesse ich allerdings nicht…

Diese Emotionen stauen sich auf, weil sie nicht abgebaut werden. Es werden mehr und mehr, ein riesiger Berg der kaum zu überblicken ist…Das ist einer der Gründe warum ich mich immer weiter zurück ziehe. Denn der Ballast wird immer größer und Leute können und wollen keine Rücksicht nehmen. Das resultiert dann in:

 

Rückzug, Suizidgedanken und Einsamkeit.

Damit will ich gar nicht Behaupten das die Verarbeitung bei mir unmöglich ist. Sie dauert nur viel länger und erfordert viel mehr Arbeit als bei anderen Menschen und es gibt Gefühle die sich leichter verarbeiten lassen als andere, aber dazu später mehr.

3.) Ich will kein Spiegel sein/ Reflect them all

Ich habe ja bereits vom Reflektieren von Gefühlen in der Kindheit erzählt. Das ist in dem Alter durchaus normal. Übrigens wird eine ähnliche Technik auch von Therapeuten genutzt, um Patienten emotional abzuholen. Dabei wird die Körperhaltung gespiegelt.

Das ist allerdings sehr kontrolliert, während ich bis heute nicht damit aufhören kann es immernoch zu tun und es daher manchmal schwer ist überhaupt den Punkt zu finden an dem ich, ich selbst bin. Dann frage ich mich, wo ich unter den ganzen fremden Eindrücken eigentlich verborgen bin.

Wenn ich einen anderen Menschen treffe, dann spiegele ich ungewollt seine Gefühle.   Das ist dann alles worauf sich mein Kopf versteift und es ist eine immenser Kraftaufwand innerlich feststellen zu können das das da gerade nicht meine Emotionen sind, die hochkochen, sondern die meines Gegenübers. Das kann durchaus auch lehrreich sein. Früher habe ich beim Dating etwa Erfahrungen gemacht, die für damals sehr bekümmernd waren. Ein Perspektivwechsel und Gewissheit darüber woher das Problem stammt halfen mir, dass es sich nun besser anfühlt.

Trotz oder gerade wegen meiner Probleme mit anderen Menschen habe ich eine Weile sehr intensiv versuchte jemanden kennenzulernen. Ich fühlte mich wegen meines Rückzuges und der Probleme mit anderen Menschen sehr einsam und so versuchte ich über Dating Platformen und verschiedene Hobbys Kontakte zu knüpfen. Dabei stellte ich ein sich wiederholendes Problem fest:

egal wie ich zu Anfang in das Gespräch(Date) mit einer neuen Person rein ging und ganz egal wie ich mich vorbereitet hatte, im Gespräch hat sich das was ich empfunden habe sehr direkt verändert und so gar nicht mehr zu der Ausgangslage gepasste. Ich stellte schließlich fest, das es daran lag wie mein Gegenüber emotional drauf war.

War der Mensch den ich traf unsicher war ich unsicher, war er wütend, war ich wütend, war er traurig, war ich traurig usw. Ich habe also diese Gefühle direkt gespiegelt und das  interessante daran ist, das viele Menschen wenn sie ihre eigenen Emotionen auf sich selbst gespiegelt sehen sich sehr unwohl fühlen und es ihnen oft gar nicht so bewusst ist, was gerade in ihnen vor sich geht.

Wenn ich mich also schlagartig sehr unwohl fühlte ich sozusagen die Unsicherheit und Probleme meines Gegenübers sehr deutlich wahrnehmen. Da ich mich an Äußerlichkeiten nicht so gut orientieren kann (Erkennen), war die emotionale Ebene für ein Gespräch entscheidend.

Schön fühlt es sich an, wenn jemand bereits glücklich und entspannt in ein Gespräch geht.

Es sei denn man trifft auf Borderliner. Das ist schwierig, denn die Fühlen das eine und handeln trotzdem und umittelbar völlig anders. Die strahlen Freude aus, und verfallen in der nächsten Sekunde in einen Heulkrampf oder umgekehrt. Das ist für mich gefährlich.

Erst liebenswert, aber im nächsten Moment überraschend verletzend. Sie sind sozusagen die Katzen unter den Menschen mit einer psychischen Erkrankung und haben es definitiv nicht leicht damit.

Und ja, natürlich gibt es auch dort sehr unterschiedliche Ausprägungen und es ist wichtig sich bewusst zu machen das Borderliner eben sehr große Schwierigkeiten mit wechselhaften Emotionen haben und da keine Absicht hinter steht.

Dieses Spiegeln der Gefühle ist ein Prozess der sich sehr schwer aufbrechen lässt, aber das ist notwendig um zu sehen wo ich selbst stehe und wo der andere anfängt

Im Regelfall sind Normalos schwieriger. Da sitze ich dann beispielsweise vor einer Studentin die von einem interessanten Thema erzählt und bei mir selbst kommt nur an:

„OMG, Stress, STress, Stress, Stress und noch mehr Stress. Gleich explodiere ich.“

und ich merke, das die Person das selber gar nicht wahrnimmt wie fertig sie eigentlich ist und das dieser ganze Dating Kram weit über ihr machbares Pensum geht und sie eigentlich ganz dringend eine Pause bräuchte. Im Gespräch selbst bin ich dann so sehr in ihrem Stress gefangen und unaufmerksam, das ich auf Fragen gar nicht mehr eingehen kann, da ich die ganze Zeit nur die sturzflut an Emotionen wahrnehmen konnte.

Oder ich sitze da und fühle mich im Gespräch mit jemanden unglaublich unzufrieden mit mir selbst und wiederum nehme ich wahr, das kommt nicht von mir. Das kommt von meinem Gegenüber und das ist anstrengend und es würde der ganzen Sache so viel Wucht nehmen, wenn einfach mal jemand den Mut hat eine Schwäche anzusprechen, aber die meisten merken es nicht einmal. (der versuch die Maske aufrecht zu erhalten, macht es noch einmal sehr viel anstrengender) Ich sitze daneben und nehme es auf, kann nicht abschalten und nehme es auch gleichzeitig mit nach Hause. Plötzlich ist ein Teil von jemand anderem in meinem Kopf und wütet dort für Tage oder sogar Wochen.

Also dieses nur das beste von sich zeigen wollen ist belastend. Am Ende ist es für alle Beteiligten oft alles andere als schön.

Und dann gibt es diese wunderbaren, seltenen, aber schönen Momente wo ich jemanden gegenüber saß der glücklich mit sich selbst war und das Gefühl schwemmt sofort über und ich nehme es voll und ganz auf. Ich fühle mich als wäre ich auf Droge, würde schweben, bin begeistert und das ganze Gespräch ist toll, ganz egal wie das Ergebnis am Ende ist.

Und jetzt klingt es so, als müsste ein Mensch der mir gegenüber sitzt vor allem glücklich sein, damit ich damit klar komme. Das stimmt nicht. Nur emotional ehrlich. Mit Traurigkeit kann ich gut umgehen. Ja, es überschwemmt mich auch, aber das ist so nah am Kern der Sache, das ich das nicht schlimm finde. Es gibt verdammt viele gute Gründe um Traurig zu sein. Ich hatte Gespräche mit Leuten bei denen ich von Anfang an sehr große Bestürzung empfand und die mir irgendwann erklärten das sie traurig waren oder das sie Ängste hatten. Das hat diesen ganzen Gefühlskloß aufgebrochen und danach hatten wir sehr oft ein verdammt gutes Gespräch.

4.) Zorn, an allen Warnsignalen vorbei

Am schlimmsten für mich sind Wut, Zorn und Unsicherheit. Das sind weniger Gefühle als Pakete aus Angst und Traurigkeit. Diese Gefühle werden meistens nicht ausgesprochen (eher gelebt, Wut klebt sich an jedes Wort) und selbst wenn, dann nicht auf eine Art die ich verarbeiten kann. Sie bleiben hängen und ich habe monatelang damit zu tun, weil ich nicht in der Lage bin sie zu verarbeiten.

Funfact: Es hat Gründe warum ich nie viel mit erzkonservativen Leuten am Hut hatte, denn bei denen ist Wut, Angst und Unsicherheit oft so stark ausgeprägt, das es mich schon von weitem abschreckt. Leute  von dem Kaliber eines Trumps sind dann nochmal eine ganz eigene Kategorie, denn die sind so instabil, dass sie ständig große emotionale Haufen fabrizieren, die ich ebenso nicht verarbeiten kann. Da springt es mich regelrecht an und ich wundere mich warum manche Menschen so lange brauchen, um das zu sehen, bis ich feststelle das es bei mir eben wiederum über die emotionale Schiene geht und das meine Wahrnehmung dort vergleichsweise stark/belastend ausgeprägt ist.

Im Umkehrschluss habe ich die Erfahrung gemacht das gerade  viele Leute aus der queeren Community emotional sehr ehrlich auftreten (und ehrlich zu sich selbst sind), was mir den Umgang mit Menschen generell etwas leichter macht. (weil sie sich eben oft sehr stark mit dem innersten auseinandersetzen)

Wut ist ein emotionaler Beißreflex. Die Menschen haben zuerst Angst und verfallen dann irgendwann in Wut, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen. Mit Angst kann ich umgehen, vor allem wenn sie artikuliert wird. Mit Wut überhaupt nicht. Ich habe rückblickend erst spät verstanden warum ich manchmal bei einem Thema sehr gut in der Schule (Ausbildung) war und mit dem selben Thema bei einem anderen Lehrer sehr schlecht, bis ich feststellte das sich meine Konzentration auf völlig unterschiedliche Dinge gerichtet hat, je nachdem wer am Lehrerpult saß.

Hatte ich einen emotional ausgeglichenen Lehrer, hatte ich generell sehr gute Noten. Das ging soweit, das ich mich manchmal darüber gewundert habe, weil ich etwa früher so schlechte Leistungen bei genau diesem Thema erbrachte. Hat der Lehrer aber einen Groll gegen etwas gehegt und das mit in den Unterricht gebracht, habe ich grundsätzlich sehr schlechte Noten bekommen.

Eben nicht unbedingt wegen einer unfairen Bewertung, sondern weil ich meine Konzentration auf nichts anderes mehr richten konnte, als auf die Wut dieser Person und weil mich das selbst wütend, unsicher und fassungslos gemacht hat. Später stellte sich dann heraus, das diese Lehrer tatsächlich sehr wütend waren, etwas was meine Mitschüler in der Regel kaum wahrgenommen haben. Der eine hatte eine Klage gegen die Schule laufen, der nächste hatte kurze Zeit später einen Burnout und eine andere konnte eine Kollegin nicht ausstehen und hat sich regelmäßig mit ihr im Lehrerzimmer gezofft und war danach mit der selben Stimmung in den Unterricht gegangen.

5.) jugendlicher Wahnsinn

Pubertät: 

und jetzt stellt euch mal eine Phase vor in der alle Gleichaltrigen plötzlich emotional Verrücktspielen. Es war schlichtweg die Hölle. Ich selbst hatte keine (Pubertät), jedenfalls nicht psychisch, was ein Hinweis auf meine Störung hätte sein können, aber damals hatte ich leider auch keinen guten Therapeuten. Ich hatte Angstzustände, wollte nicht in der Nähe der anderen Jugendlichen sein und habe dann auch noch viele Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Leider wurde später natürlich gerade darauf der Fokus gelegt. Klar, traumatische Erfahrung und so. War aber eben nicht der Auslöser.

6.) Sex/Liebe

Es gibt auch Vorteile, wenn man so will: Ich fühle das was mein/e Partner/in fühlt und wenn sie glücklich ist, bin ich glücklich. Das ist, wie ich später gemerkt habe, für eine Beziehung sehr hilfreich 🙂 (manchmal brauche ich viel Zeit für mich, um wieder bei mir selbst sein zu können.) Darüber könnte man ein ganz eigenes Thema machen…

Ich liebe Menschen die mit sich selbst zufrieden sind (oder zumindest sein können), die auch ihre Seltsamkeiten herauslassen können und fühle mich in deren Nähe sehr wohl. Ich bin froh solche Menschen in meinem Freundeskreis zu wissen.

Fazit

Vielleicht denken manche Leute nun:“Klar, ich nehme auch wahr wie sich jemand fühlt.“ Natürlich, aber du kannst es verarbeiten und ich nicht (bzw sehr, sehr langsam) und das ist auch keine Sache die ich lernen kann und die mir irgendwann leicht fallen wird. Ich weiß nicht wie oft ich mir schon Sprüche dieser Art habe anhören müssen und wie oft ich verletzt wurde von Menschen denen ich zwar gesagt habe, wie ich empfinde, die es aber trotzdem nicht verstanden haben oder wollten.

Es geht soweit, dass über Jahre versucht habe in verschiedene Berufe einzusteigen  (meine Definition von Gesund: arbeiten zu können, es muss ja schließlich irgendwie klappen und zu der Zeit habe ich versucht die Problematik zu ignorieren und unterdrücken), nur um immer wieder an einem Burnout zu enden, weil die Leute in diesen Berufen und Ausbildungen ihren emotionalen Scheiß eben überall abladen und nicht merken wie groß ihr Frust schon ist. (mit einer nahezu physischen, gewaltigen Kraft) Ich bin der letzte der sich wundert, wenn jemand zusammenbricht, weil ich oft schon Jahre vorher gesehen habe, bevor sie es selbst sahen und das ist ein Punkt wo es eigentlich gar nicht so dumm wäre, auf jemanden mit einer psychischen Erkrankung zu hören, aber das vermeiden viele Normalos in der Regel.

Sie vermeiden es, genauso wie die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen. Es ist ein Privileg, wenn man Emotionen verarbeiten kann, aber es gibt auch dort Grenzen. Manche können es irgendwann nicht mehr und schnappen über.

Und es ist eine unglaubliche Entlastung für jeden (egal ob psychisch Krank oder nicht) wenn ihr, die ihr Ausbilder, Lehrer, Kollegen seid vielleicht einmal tief in euch geht, bevor ihr euren Frust und eure Wut jemanden anderen vor den Latz knallt. Vielleicht fühlt ihr euch dadurch für einen Moment freier, aber vielleicht hat euer Gegenüber Jahre damit zu tun, um das wieder in den Griff zu bekommen, was ihr ausgekotzt habt.

P.

 

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Just to be useful

Das letzte Mal schrieb ich von meiner Reha und leider musste ich aufgrund der Komorbiditäten, also Begleiterscheinungen (Sozialphobie und Depression) damit aufhören. Das ist ein herber Rückschlag für mich, da ich die Hoffnung hatte, über diese Reha in Arbeit zu kommen.

Der ständige Stress, die aggressive Stimmung am Arbeitsplatz und das keine Möglichkeit bestand auf irgendeine Weise aufgefangen zu werden, gerade als sich die Probleme stapelten, haben meine depressiven Gedanken sehr verstärkt und ich habe immer noch damit zu tun, wieder ein Stück weit positiv nach vorne zu blicken.

Es gelingt mir nicht gut, denn mir fehlt eine Aufgabe.

Vor und in der Reha habe ich mein Interesse für das Programmieren in PHP entdeckt und angefangen mich mit unterschiedlichen Programmiersprachen zu beschäftigen. Ich möchte nicht, dass das wieder alles brach liegt, aber ohne Auftrag, ohne Aufgabe fällt es mir gerade mit dem starken Abschweifen, mit dem ich täglich konfrontiert bin schwer mich zu irgendetwas aufzuraffen und einen Blick in die Zukunft zu entwickeln, der mich weiter bringt.

Daher suche ich eine ehrenamtliche Tätigkeit

Etwas bei dem ich mein Wissen über das Programmieren vertiefen kann und ein paar Stunden in der Woche eine sinnvolle Aufgabe habe. Vielleicht gibt es ja soziale Programmierprojekte, bei denen man etwas Hilfe an die Hand bekommt um anzufangen. Wer da was kennt oder was weiß: Bitte meldet euch bei mir.

Meine Angst mich derzeit mit Menschen zu konfrontieren, macht es mir schwer das Haus zu verlassen, aber ich möchte dennoch etwas von daheim aus tun. Ich bin an Tätigkeiten interessiert die keine große Einstiegshürde haben, um mich Stück für Stück wieder ein wenig mehr ins Leben hinein zu arbeiten.

Ich bin nicht auf den Kopf gefallen, aber ich brauche klare Anweisungen und Abgabetermine, um nicht vom Kurs abzukommen. Mein ADHS nimmt mich zum Teil sehr stark in beschlag und ich versuche das mit Regeln und Struktur aufzufangen.

Ich bin auf Hilfe angewiesen, da ich es derzeit nicht alleine schaffe etwas zu finden.

Meldet euch über Twitter

Sollte sich eine Tätigkeit finden, werde ich regelmäßig von meinen Fortschritten berichten.

 

 

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